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Pfarrbrief Januar Februar März April

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

am Beginn des neuen Jahres sind die Sternsinger unterwegs und bringen Gottes Segen in die Häuser.
Das kann einem dazu anregen, über Gottes Segen neu nachzudenken.
In einigen Familien ist es üblich, dass die Eltern ihre Kinder immer wieder, täglich oder vor größeren Fahrten mit einem Kreuz auf die Stirn segnen. Auch bei schon lange erwachsenen Kindern ist das durchaus gebräuchlich und ein schönes Zeichen.
Eine schöne Praxis ist es auch, wenn ein Brot vor dem ersten Anschneiden mit dem Kreuz gesegnet wird. In einer Zeit, wo das Brot oft schon geschnitten ins Haus kommt, gibt es sicher Möglichkeiten, das auf die aktuellen Umstände anzupassen, so kann man vor dem Öffnen der Packung mit dem Daumen ein Kreuz über das Brot zeichnen.
Es gibt ja die Auffassung, dass Katholiken und Orthodoxe neben Menschen auch Dinge segnen, Protestanten jedoch nur Menschen. Doch schon beim Segensgebet vor dem Essen zeigt sich, auch hier reicht die Ökumene viel weiter, denn die Konfessionen beten unterschiedslos: „ Herr segne diese Gaben,…“. Gemeinsam ist dabei die Geste des Kreuzzeichens.
Schließlich ist der Sinn des Segens gleich: Nicht die unmittelbar Handelnden stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Hier wird der Segen Gottes erbeten: „Es segne und behüte euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist.“ Dabei wird kein magisches Ritual vollzogen oder geheime Kräfte übertragen und auch kein Abwehrzauber freigesetzt. Statt dessen werden Mensch und Welt Gott anvertraut.
Das kann in großen Gesten geschehen und in bescheidenen Handlungen. Es geht darum, dass Leben religiös zu deuten, eben zu signalisieren: Ich empfehle dich Gottes Schutz an. Ein guter katholischer Brauch ist es, zu Dreikönig mit Kreide auf den Türsturz des Hauseingangs durch den Haushaltsvorstand oder eines der Kinder zu schreiben oder durch die Sternsinger schreiben zu lassen oder dementsprechende Aufkleber anzubringen: C+M+B, teils übersetzt mit Caspar, Melchior und Balthasar, den Namen der drei Könige, die zum neugeborenen Christus unterwegs waren. Tatsächlich bedeutet es „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“. Dazu kommt die Angabe des Jahres.
Eine ganz besondere Bedeutung hat der Segen bei Taufe, Erstkommunion, Firmung oder Trauung. Er bittet um göttlichen Beistand für eine neue Lebensetappe. Auch hier gilt: Nicht die Geistlichen sind die Herren des Geschehens, sondern der, um dessen Zuwendung sie bitten.
Im Fachwerk alter Bauernhöfe sind oft Worte wie diese eingeschnitzt: „Gott segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus.“ Besser kann man kaum ausdrücken, dass der Segen, der auf einem Gegenstand liegt, vor allem für die Menschen bestimmt ist, die dort leben. Es ist wie beim Tischgebet: Es soll den Menschen, die da zusammensitzen, zugute kommen.
So lassen Sie sich einladen, das neue Jahr und all das Kommende unter Gottes guten Segen zu stellen.
 

Im Gebet verbunden

Steffen Karas