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Pfarrbrief September Oktober November Dezember

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

der Spätsommer und der beginnende Herbst diesen Jahres sind geprägt von den Berichten über die Folgen von importierter Gewalt. Darüber wird viel gesprochen und möglichst auch offen diskutiert. Leider gibt es dabei teils tendenziöse Darstellungen, bei denen die eigentlichen Ereignisse hinter dem folgenden Reaktionen fast untergehen. Für einige in der öffentlichen Diskussion ist es bis heute ein Tabu über bestimmte Probleme zu sprechen. Dazu gehört die Einsicht, dass unter den vielen Menschen, die bei uns Zuflucht gefunden haben und mit einer großen Willkommenskultur empfangen wurden, auch Straftäter sind. Diese kleine Minderheit drängt sich auf Grund ihrer Straftaten nun zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit. Und es ist wichtig, dass dieses Problem nicht weiter klein geredet wird, sondern wahr genommen wird.
Die Diskussionen dazu werden teils sehr intensiv und scharf geführt. Daran kann man erkennen, dass dabei viel mehr angerührt wird als allein mehrere Straftaten.
Und wir sind als Katholiken eingeladen, darüber nachzudenken, was die eigene Position in diesem Geschehen ist.
Sehr interessant fand ich dazu zwei Artikel des Journalisten Klaus-Rüdiger Mai in der Neuen Züricher Zeitung. Er selber ist in der DDR aufgewachsen und hat bei der Wende 1989 schon früh in Halle mit demonstriert. Der eine Artikel ist überschrieben: Der Tag, an dem ich Ostdeutscher wurde (vom 31.1.2018) und der andere: Alles beginnt mit Herkunft – weshalb Ostdeutschland sich zur Provokation entwickelt (vom 3.9.2018).
Im ersten Artikel schreibt er rückblickend auf die Bundestagswahl:
„Mit Blick auf die Wahlergebnisse im Einzelnen bot sich sehr schnell der Ostdeutsche als Sündenbock und als Hassobjekt an und wurde schließlich zum Paria erklärt.“
Über sein eigenes Selbstverständnis schreibt Herr Mai: „Niemals hatte ich mich als Ostdeutscher gesehen, nicht in der DDR, nicht während der Montagsdemos, auch nicht in den siebenundzwanzig Jahren danach, sondern mich immer als Deutscher gefühlt, weil ich fest verankert bin in der deutschen Kultur. Ich sehe diese deutsche Kultur in allen Höhen und Tiefen, widerspruchsvoll, beglückend und peinigend.“
In Teilen der deutschen Medien und Öffentlichkeit werden die Ostdeutschen mit Migranten verglichen, doch wird dabei unterschlagen oder sehenden Auges verdrängt, dass auf Grund der Kriegsfolgen zwei deutsche Staaten entstanden waren, die sich in einem günstigen Moment der Geschichte wiedervereinigen konnten.
Diese Sicht auf die Geschichte „berücksichtigt offensichtlich nicht, dass das staatspolitische Ziel der Bundesregierung in der Wiedervereinigung und nicht in der Übersiedlung von 17 Millionen Bürgern der DDR in die Bundesrepublik bestand. Viele Ostdeutsche sind übrigens in ihren Heimatregionen und Heimatstädten geblieben. Sie sind nicht zugewandert, sie haben vielmehr ein ganzes Land mit seinen Werten eingebracht.“
Im zweiten Beitrag führt Herr Mai aus: „Die Probleme liegen tief, und sie müssen zum Gegenstand des demokratischen Diskurses werden, will man eine Radikalisierung vermeiden. Die Bürger spüren, dass sie das, was für sie Herkunft, Heimat, Identität ist, verlieren. Sie erkennen, dass Prozesse in Gang gesetzt werden, bei denen sie keiner gefragt hat, ob sie das wollen.“
Als christliche Bürger dieses Landes sind wir aufgerufen, aufbauend auf unserem Glauben Antworten auf diese komplizierte Lage zu geben. Denn es geht hier um weit mehr als um die verworrene Situation in einzelnen Städten Deutschlands. Es geht um die Frage, was Heimat ist. In welcher Heimat wir leben wollen und in welcher Heimat die nächsten Generationen leben sollen.
Der Oktober ist dabei sehr hilfreich, denn er ist ein marianischer Monat. Maria ist schließlich als Vorbild besonders prägend für unseren Glauben.
Am 7. Oktober feiern wir das Rosenkranzfest. Das Rosenkranzfest wurde von Papst Pius V. (Papst 1566–1572) als Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Siege gestiftet. Damit drückte der Papst seinen Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571 über die Türken aus. Mit diesem Sieg war die aggressive Seemacht der Türken im Mittelmeer weitgehend gebrochen. Erwehren mussten sich die christlichen Seefahrer dann allerdings noch weit bis ins 19. Jahrhundert hinein der muslimischen Seeräuber im Mittelmeer, die auch dann noch christliche Handelsschiffe überfielen und die Besatzungen in die Sklaverei verkauften. Ein Aspekt der Sklavereigeschichte, der interessanterweise bis heute nur sehr wenig erforscht ist. Seit 1913 feiern wir dieses Fest am 7. Oktober und es zeigt auf, dass Christen in großer Gefahr und Not immer ihre feste Zuversicht bei der Gottesmutter gesucht und gefunden haben.
Dieser marianische Monat kann mich dazu anregen, neu darüber nachzudenken, was mir selbst die Gottesmutter bedeutet.

 

Im Gebet verbunden

Ihr Diakon Krzysztof Gaul